[lahmacun]

İstanbul'un yabancısı

Cumartesi, Temmuz 01, 2006

Männlein & Weiblein



Bin heute mittag auf der Istiklal Caddesi – leider in Eile auf dem Weg zu einer Zimmerbesichtigung – doch tatsächlich über eine Demo für Homo-Rechte von eher putzigem Ausmaß gestolpert… Wow! Zeit, mal ein paar Worte über Männlein und Weiblein in der Türkei zu verlieren:
1) „Der türkische Mann“: Es gibt Gegenden und Gelegenheiten, die ich nicht passieren kann, ohne dass mich zuverlässig ein Mann anspricht, ob ich „allein“ sei usw., oder mich „auf einen Tee“ einlädt. Es ist wirklich zum Verrücktwerden. Ich frage mich, mit welcher kalten Schnoddrigkeit sich Türkinnen – man müsste ja meinen, dass es Türken angesichts des üppigen Angebots an attraktiven Landsmänninnen nicht nötig hätten, käsige Touristinnen anzubaggern – derartige Avancen erfolgreich vom Leibe halten. Naja, vielleicht sollte ich einfach aufhören mit dem Po zu wackeln, meine üppige Oberweite etwas weniger aggressiv zur Schau stellen und mir überhaupt meine Weibchenallüren abgewöhnen…
2) Ich war schon sehr überrascht, wie groß der Druck zu heiraten auch im ach so modernen Istanbul ist. Meine Mitbewohnerin (28) erzählt, sie werde von ihren gleichaltrigen Freundinnen(!) immer wieder gefragt, wann sie endlich heirate. Eine andere Bekannte hat mir gegenüber ganz stolz betont, dass die Familie ihres Freundes überhaupt keinen Groll gegen sie hege, ja ihr gar Grüße ausrichten lasse! Und eine Dritte in meinem Alter findet es ganz normal, ihren Freund nicht zur Hochzeit seines Bruders zu begleiten, und hat auch gar keine Lust, dort ständig „Und wer bist du?“-Fragen zu beantworten (außerhalb der Kategorien „Verlobte“ oder „Ehefrau“ hat man offenbar eine unsichere Daseinsberechtigung).
3) Gerade weil Homosexualität natürlich ein Tabu ist, ist es für Ausländer so irritierend zu sehen, wie zärtlich Männer (selbstverständlich stockheterosexuell) in der Öffentlichkeit untereinander umgehen: Das Arm-in-Arm-Gehen und Küssen zur Begrüßung sieht man ja auch bei Türken in Deutschland manchmal, aber hier schlummern sie im Bus auch gerne mal aneinandergeschmiegt. Als „feminin“ würde man mit unserem Blick oft auch einordnen, wie sie sich kleiden, bewegen, tanzen oder singen (ich habe beim Fernsehen einmal meinen Augen nicht getraut: Ich sah einen Mann und hörte eine Frau) – ohne dass das als unmännlich gelten würde.
4) Nicht nur auf der Istiklal, auch in den verrufenenen Gassen nahe unserem Haus und in dem Park, in dem ich immer jogge, wimmelt es nur so von Transen, mehrheitlich wohl Stricher. Aufregen tut das, soweit ich sehe, niemanden.

1 Comments:

Anonymous laurin said...

Guten Tag, will mich dann auch mal zu Wort melden.

Die Akzeptanz von Homosexuellen ist in Deutschland am Papier vielleicht ganz dolle, aber im Volk nich so dolle. Es heißt immer "Ich habe nichts gegen sie, ABER". Soweit ist es mit der Toleranz leider nicht.

Was aber noch viel schlimmer ist, ist der (wiederaufflammende?) Rechtspopulismus unter Jugendlichen. Ob die es wirklich ernst meinen, oder einfach nur strunzdumm sind, weiß ich nicht. Aber nach dem Spiel Deutschland - Schweden hörte ich doch wirklich meinen 14-jährigen Nachbarn "Sieg Heil" rufen. Genauso sind wieder Witze über "Hitler, Juden & Co" nichts mehr, was mit viel Respekt bedacht wird.

So, so viel erstmal zu meinen kritischen Blicken in die Welt ...

Lesen Sie die nächste Ausgabe wenn die Zeit gekommen ist.

Temmuz 06, 2006 12:32 ÖÖ  

Yorum Gönder

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